Die 7 wichtigsten Fragen rund um das Thema Urlaub

Die 7 wichtigsten Fragen rund um das Thema Urlaub
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Zurzeit ist Urlaub-Hochsaison. Diese sieben Punkte sollten Sie zu diesem Thema kennen.

1. Wie viel Urlaub steht einem Arbeitnehmer zu?

Jeder Arbeitnehmer hat nach dem Bundesurlaubsgesetz (BurlG) Anspruch auf ein Mindestma├č an Urlaub im Jahr. Die Dauer des gesetzlichen Urlaubs richtet sich nach den Arbeitstagen pro Woche.

  • Arbeitet der Arbeitnehmer sechs Tage die Woche, betr├Ągt der Urlaub 24 Tage.
  • Arbeitet der Arbeitnehmer nur f├╝nf Tage die Woche, kann er 20 Tage Urlaub beanspruchen.

Der Arbeitgeber kann den gesetzlichen Urlaub nicht im Arbeitsvertrag ausschlie├čen. Der Arbeitnehmer hat einen zwingenden Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub.
Bei dem gesetzlichen Urlaub handelt es sich lediglich um einen Mindesturlaub. Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer daher auch weiteren Urlaub gew├Ąhren. H├Ąufig wird dies auch im Tarifvertrag geregelt.

2. Voller Urlaubsanspruch bei Arbeitsantritt?

Zu beachten ist, dass der Arbeitnehmer erst nach Ablauf des sechsten Monats nach Besch├Ąftigungsbeginn seinen vollen Urlaub nehmen kann. M├Âglich sind jedoch abweichende tarifliche oder individualrechtliche Regelungen zugunsten des Arbeitnehmers. Sofern die Wartezeit von sechs Monaten im laufenden Kalenderjahr nicht mehr erf├╝llt werden kann, entsteht ein Teilurlaubsanspruch.

  • Beispiel 1: A beginnt eine Besch├Ąftigung bei seinem neuen Arbeitgeber zum 01.01.2019. Seine Wartezeit endet am 31.06.2019. Ab dem 01.07.2019 kann er die vollen 24 Tage Urlaub nehmen, obwohl er noch nicht das ganze Jahr gearbeitet hat.
  • Beispiel 2: A beginnt eine Besch├Ąftigung bei seinem neuen Arbeitgeber zum 01.08.2019. Die sechsmonatige Wartezeit ist erst zum 01.01.2020 erf├╝llt. A hat f├╝r den Zeitraum vom 01.08.2019 bis zum 31.12.2019 einen Anspruch auf Teilurlaub von je 1/12 pro Besch├Ąftigungsmonat ÔÇô hier hat A einen Anspruch auf 5/12 seines vollen Urlaubsanspruchs. Bei einem Urlaubsanspruch von 24 Tagen, m├╝sste der Arbeitgeber dem A somit noch 10 Tage Urlaub f├╝r das Jahr 2019 gew├Ąhren.

3. Muss der Arbeitgeber Urlaubsw├╝nsche beachten?

Der Arbeitnehmer wird meist konkrete W├╝nsche haben, wann er seinen Urlaub nehmen m├Âchte. Er hat daher ein gro├čes Interesse an der Ber├╝cksichtigung seiner W├╝nsche durch den Arbeitgeber. Der Arbeitgeber wiederum wird den Urlaub des Arbeitnehmers unter betrieblichen Gesichtspunkten festlegen wollen.
Das Gesetz sieht hierf├╝r eine Kompromissl├Âsung vor (┬ž 7 I BurlG). Der Arbeitgeber hat die W├╝nsche des Arbeitnehmers grunds├Ątzlich zu ber├╝cksichtigen. Ausnahmen gelten nur in zwei F├Ąllen:

  • Dringende betriebliche Erfordernisse stehen dem Urlaubswunsch entgegen.Beispiel: A ist Angestellter in einem kleinen Laden. Er m├Âchte gerne im Dezember Urlaub nehmen. Sein Arbeitgeber muss grunds├Ątzlich den Wunsch des A ber├╝cksichtigen. Er darf A aber dann auf einen anderen Zeitraum verweisen, wenn das Weihnachtsgesch├Ąft wirtschaftlich wichtig f├╝r den Laden ist und andere Mitarbeiter nicht zur Verf├╝gung stehen.
    Will A hingegen im Februar Urlaub nehmen, muss sein Arbeitgeber diesem Wunsch auch dann entsprechen, wenn er den Zeitpunkt nicht optimal findet, aber keine dringenden Gr├╝nde dagegensprechen.
  • W├╝nsche anderer Arbeitnehmer haben Vorrang. Dies bemisst sich nach sozialen Gesichtspunkten. Zum Beispiel sind die W├╝nsche von Arbeitnehmern mit schulpflichtigen Kindern w├Ąhrend der Ferienzeit h├Ąufig vorzuziehen.

4. Was passiert bei Krankheit im Urlaub?

Der Urlaub soll der Erholung dienen. Wird ein Arbeitnehmer aber w├Ąhrend seiner Urlaubszeit krank, so wird er sich kaum erholen k├Ânnen. In diesen F├Ąllen bleiben ihm die Urlaubstage erhalten.

Der Urlaub soll der Erholung dienen. Wird der Arbeitnehmer aber w├Ąhrend seiner Urlaubszeit krank, so wird er sich kaum erholen k├Ânnen. In diesen F├Ąllen bleiben ihm die Urlaubstage erhalten. Daf├╝r muss er dem Arbeitgeber eine Arbeitsunf├Ąhigkeitsbescheinigung vorlegen. Eine Frist f├╝r die Vorlage sieht das Gesetz nicht vor. Da eine solche aber tarifvertraglich vereinbart werden kann, ist zu empfehlen, die ├Ąrztliche Bescheinigung dem Arbeitgeber bereits am ersten Krankheitstag vorzulegen. Erf├╝llt der Arbeitnehmer diese Voraussetzungen, werden seine Urlaubstage nicht verbraucht und k├Ânnen sp├Ąter im Jahr nachgeholt werden.

Erf├╝llt der Arbeitnehmer diese Voraussetzungen, werden seine Urlaubstage nicht verbraucht und k├Ânnen sp├Ąter im Jahr nachgeholt werden.
Zu beachten ist, dass im Falle des Fortbestehens der Erkrankung nach Ablauf des Urlaubs die Anzeige- und Nachweispflichten des Entgeltfortzahlungsgesetzes zu beachten sind.

5. Kann man Urlaub ausbezahlen?

Zuweilen m├Âchte der Arbeitnehmer gar nicht in den Urlaub, sondern lieber arbeiten und sich seinen Urlaub in Geld auszahlen lassen.
Dies ist jedoch grunds├Ątzlich nicht m├Âglich. Der gesetzliche Mindesturlaub soll der Erholung des Arbeitnehmers dienen und nicht durch eine Entsch├Ądigung in Geld umgangen werden. Ein finanzieller Ausgleich ist nur dann m├Âglich, wenn das Arbeitsverh├Ąltnis beendet werden soll und der Arbeitnehmer noch verf├╝gbaren Urlaub nicht mehr vor Ende des Arbeitsverh├Ąltnisses nehmen kann (┬ž 7 IV BurlG).

  • Beispiel: A stehen f├╝r das Jahr 2019 noch 5 Tage Urlaub zu. Im Oktober 2019 schlie├čt A mit seinem Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag, der das Arbeitsverh├Ąltnis mit sofortiger Wirkung beendet. A kann seinen Resturlaub daher nicht mehr nehmen und stattdessen eine Geldzahlung verlangen.

6. Kann der Urlaub auf das n├Ąchste Kalenderjahr verschoben werden?

Es kann mitunter vorkommen, dass der Arbeitnehmer seinen Urlaub nicht im laufenden Kalenderjahr nimmt.

Grunds├Ątzlich verf├Ąllt der Urlaub dann mit Ablauf des Kalenderjahres. Liegen dringende betriebliche Erfordernisse oder Gr├╝nde in der Person des Arbeitnehmers vor, k├Ânnen Urlaubstage ausnahmsweise noch bis zum 31. M├Ąrz des Folgejahres genutzt werden. K├Ânnen die Urlaubstage krankheitsbedingt bis zum 31. M├Ąrz des Folgejahres nicht genommen werden, bestehen sie ├╝ber diesen Zeitpunkt hinaus fort.

Diese Stichtage gelten nach neuester Rechtsprechung allerdings nur, wenn der Arbeitnehmer in Kenntnis der ihm zustehenden Urlaubstage und des Verfalls zum Jahresende bewusst auf seinen Urlaub verzichtet.

Den Arbeitgeber trifft hierbei die Pflicht, den Arbeitnehmer von sich aus auf offene Urlaubstage und deren drohenden Verfall hinzuweisen. In einer Pressemitteilung des Bundesarbeitsgerichts hei├čt es dazu, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zuvor konkret aufgefordert haben muss, den Urlaub zu nehmen, und den Arbeitnehmer klar und rechtzeitig darauf hinweisen muss, dass der Urlaub anderenfalls mit Ablauf des Urlaubsjahres oder ├ťbertragungszeitraums erlischt.

  • Beispielfall vor dem BAG: A nahm in den Jahren 2012 und 2013 nicht seinen vollen gesetzlichen Urlaub. Nach Beendigung des Arbeitsverh├Ąltnisses verlangte er eine finanzielle Entsch├Ądigung f├╝r die verfallenen Urlaubstage und klagte gegen seine Arbeitgeberin.
    Das BAG entschied, dass die Arbeitgeberin den Kl├Ąger A konkret auf seinen offenen Urlaub h├Ątte hinweisen und ihn dazu auffordern m├╝ssen, seinen Urlaub zu nehmen. Nur dann w├Ąre der Urlaub verfallen (Az.: 9 AZR 641/15).

7. Muss man im Urlaub erreichbar sein?

Ein Arbeitnehmer wird sich w├Ąhrend seines Urlaubs m├Âglichst wenig mit der Arbeit besch├Ąftigen wollen. Der Arbeitgeber hingegen hat ein Interesse daran, seinen Arbeitnehmer auch im Urlaub kontaktieren zu k├Ânnen. Es kann sich daher die Frage stellen, ob der Arbeitnehmer im Urlaub erreichbar sein muss.

Der Arbeitnehmer muss grunds├Ątzlich nicht erreichbar sein. Der Urlaub soll der Erholung dienen und nicht der Arbeit. Er darf daher Anrufe, Nachrichten und E-Mails des Arbeitgebers ignorieren. Eine durchgehende Erreichbarkeit im Urlaub kann auch nicht im Vertrag vereinbart werden, da eine st├Ąndige Rufbereitschaft die Erholung des Arbeitnehmers verhindern w├╝rde. Ebenso wenig kann ein Arbeitgeber den Arbeitnehmer aus seinem Urlaub zur├╝ckholen.

Der Arbeitgeber darf den Arbeitnehmer daher nicht kontaktieren, auch wenn er Personalmangel oder fachliche Fragen an den Arbeitnehmer hat.

Jan Ottmann

Rechtsanwalt

Rechtsanwalt Jan Ottmann ist Ansprechpartner f├╝r Mandanten im Kollektiv- und Individualarbeitsrecht.

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