Gehaltsschere Mann und Frau

veröffentlicht am 09.03.2016 von

Obwohl sich Frauen immer öfter für tendenziell männerdominierte Berufe wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik entscheiden, gibt es bei der Bezahlung noch gravierende Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Laut Erhebungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurden die Gehälter von Frauen seit 1995 nur um 0,6 % angehoben. Dabei erhalten Frauen durchschnittlich immer noch 34 % weniger Gehalt, als Männer. Zudem sind gerade einmal 29 % der Führungspositionen deutscher Unternehmen mit Frauen besetzt.

Doch woran liegt diese unterschiedliche Bezahlung?

Zunächst einmal arbeiten Frauen öfter in Berufen, die schlechter bezahlt werden. Denkt man beispielsweise an das Reinigungsgewerbe, so sind Dreiviertel aller Reinigungskräfte weiblich. Anders dagegen die Männer, die häufig in gut bis sehr gut bezahlten Industrieberufen tätig sind. Soweit Frauen und Männer in ähnlichen Berufen und Positionen arbeiten, nähern sich die Verdienste zwar an; gleiches Gehalt bei gleicher Qualifikation, ähnlichem Alter und ähnlicher Erfahrung gibt es aber trotzdem nicht. Dies liegt unter anderem daran, dass Männer in Gehaltsverhandlungen oft selbstbewusster Verhandeln, als ihre weiblichen Kolleginnen.

Zudem müssen sich Frauen – anders als Männer – immernoch zwischen Karriere und Familie entscheiden, mit der Konsequenz, dass die Rückkehr in den alten Beruf oft nur in Teilzeit erfolgt oder lediglich ein Mini-Job angenommen werden kann. Dabei sollten Unternehmen gerade in Zeiten zunehmender Flexibilisierung Vorurteile gegenüber Teilzeitarbeitsverhältnissen abbauen und diese zunehmend auch in Führungspositionen ermöglichen, um hochqualifizierte Frauen, die Familie und Beruf in Einklang bringen wollen, für sich zu gewinnen.

Doch all diese Faktoren geben keine vollständige Antwort auf die Frage, warum die Bezahlung von Frauen und Männern im Bundesdurchschnitt so unterschiedlich ausfällt.

Eine mögliche Antwort liefert das Statistische Bundesamt. Dieses geht davon aus, dass etwa sieben Prozent der finanziellen Lücke auf schlichte Lohndiskriminierung zurückzuführen ist (vgl. Kramer „Warum Frauen weniger verdienen“, in Spiegel Online vom 25.03.2015). Diesen Missstand zu beseitigen wird auch weiterhin die Herausforderung für Politik und Wirtschaft in den kommenden Jahren sein.